von fans für fansvon Fans für Fans des 1.FC Magdeburg

 
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Klammer-Blog

13.09.2013, 12:15

Wissenswertes zur Deutschen Klassik in unserem Sammelordner.
Zuletzt geändert von Aerolith am 17.10.2017, 18:35, insgesamt 1-mal geändert.


 
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Re: Unser Literatur-Ordner

22.11.2013, 11:25

für alle literaturinteressierten: es ist november. das ist die zeit, in der sich gebildete, halbgebildete und ungebildete über den untergang der welt unterhalten. wer möchte, gern hier.
Zuletzt geändert von Aerolith am 17.10.2017, 18:36, insgesamt 1-mal geändert.


 
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Re: Unser Literatur-Ordner

12.12.2013, 21:06

ein philosphisch gefaßter kommentar zur politischen ausrichtung der BRD für die kommenden vier jahre


 
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Re: Unser Literatur-Ordner

19.12.2013, 12:50

Zuletzt geändert von Aerolith am 20.10.2017, 17:33, insgesamt 1-mal geändert.


 
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Re: Unser Literatur-Ordner

13.02.2014, 20:49

der beratende reichstag im frühjahr 1867 zeigt, wie man es machen muß, wenn man eine auf breiten schultern stehende verfassung schaffen will. da müssen alle mitziehen und ihre gedanken einbringen, auch wenn nicht alle sich verwirklichen können. zeige mir einer das land (den verein), bei dem das der fall ist!
Zuletzt geändert von Aerolith am 25.03.2014, 08:25, insgesamt 1-mal geändert.


 
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Re: Unser Literatur-Ordner

03.03.2014, 08:10

ein wenig nonsens:: dinner for two
Zuletzt geändert von Aerolith am 24.08.2017, 20:46, insgesamt 1-mal geändert.


 
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Re: Unser Literatur-Ordner

25.03.2014, 08:27

ein paar gedanken über das urteil gegen uli hoeneß
Zuletzt geändert von Aerolith am 26.03.2014, 12:02, insgesamt 2-mal geändert.


 
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Re: Unser Literatur-Ordner

25.03.2014, 15:10

Aerolith hat geschrieben:
der beratende reichstag im frühjahr 1867 zeigt, wie man es machen muß, wenn man eine auf breiten schultern stehende verfassung schaffen will. da müssen alle mitziehen und ihre gedanken einbringen, auch wenn nicht alle sich verwirklichen können. zeige mir einer das land (den verein), bei dem das der fall ist!



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Re: Unser Literatur-Ordner

20.04.2014, 18:47

hat jemand schon 'philisterburg' gelesen?


805 n.c. - 08.05. - 08.05 p.m.

14.05.1988: 1. FC Magdeburg - BSG Stahl Riesa 1:1 - ich war enttäuscht

Ernst-Grube-Stadion - Heinrich-Germer-Stadion - Arena der 1700
 
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Re: Unser Literatur-Ordner

01.05.2014, 08:53

reingelesen, aber für zu oberflächlich und tendenziös gehalten, puyol. da werden klischees bedient. der text erinnert mich an eine bemerkung des 1930 per zug durch magdeburg reisenden philosophen theodor lessing, der seinerzeit über magdeburg behauptete, er könne das gesicht der stadt nicht erkennen. na ja, wer mit der bahn durch magdeburg fährt, der sieht zuerst einmal die industrieanlagen und billigen miethäuser, die es in vielen städten entlang der bahngleise gibt, aber die stadft erfährt (!) er so nicht.
ähnlich scheint mir das bei unserem freund der philisterburg zu sein: betrachtungen aus der ferne, aus dem vorurteil heraus. wem das gefällt, bitte sährlichst. meins ist es nicht.

der neue "Hermes", der neunundneunzigste, befaßt sich mit dem gesellschaftlichen fortschritt. der erinnert seit 100 jahren fatal an das vorankommen unser aller lieblingsvereins.


 
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Re: Unser Literatur-Ordner

21.05.2014, 21:11

es bleibt oberflächlich, gibt aber eine bemüht moderate und relativ empathische einschätzung der (vom erzähler verurteilten aber dennoch irgendwie reizvollen pauschalisierungen) politischen ansichten der deutschen und franzosen. welche aktion der nation x, "musste" eine und jene reaktion der nation y hervorrufen usw.
diesen europäischen gedanken, bzw. europäischen wunsch des erzählers (und was dazu fehlt), zu dieser zeit, find ich trotzdem sehr interessant.

dass hier und da magdeburger gegenden beschrieben werden, macht natürlich spaß. wer aber denkt, dass das schöne alte magdeburg (es dürfte sicher fast jeder die facebookpräsenz "zeitreisen magdeburg" kennen) für einen pariser besonders hervorzuheben wäre, der wird natürlich "enttäuscht".

macht aber nix, das buch find ich zeitpolitisch interessant und lobenswert sind die gedanken des jungen franzosen.


805 n.c. - 08.05. - 08.05 p.m.

14.05.1988: 1. FC Magdeburg - BSG Stahl Riesa 1:1 - ich war enttäuscht

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Re: Unser Literatur-Ordner

19.08.2014, 10:34

der neueste hermes glossiert die macht der geheimnisse. nicht erschrecken und immer schön wachsam bleiben!


 
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Re: Unser Literatur-Ordner

07.09.2014, 11:32

der neueste "Hermes" befaßt sich mit der abzocke bei neuautoren und informiert über katzen.


 
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Re: Unser Literatur-Ordner

16.10.2014, 16:42

Wer das Buch "Moira" von Silvia Stumpf über amazon bestellen möchte, kann das tun. Aber da geht KvW etliches an Gewinn verloren... :|

Kritiken erwünscht!

Der neue "Hermes" befaßt sich mit den letzten Kriegstagen vor hundert Jahren. Zum Thema "Kriegsschuld" kamen in Britannien in diesem Jahr interessante Bücher heraus, die ich später vorstellen möchte. Ende November 2014 kömmt Christopher Clark nach Magdeburg und hält in der Stadtbibo einen sicherlich zu beachtenden Vortrag. Ich werde ihm auf den Zahn fühlen, wie ernst er es meint.


 
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Re: Unser Literatur-Ordner

26.11.2014, 16:04

da habe ich den mund wohl etwas zu voll genommen. meine mama sagte beim sonntagsessen, ich solle mich nicht extemporieren, es sei nicht meine veranstaltung. ich versprach ihr, den mund zu halten. ungefähr eine stunde hielt ich es durch, dann lief ich wohl rot an und machte mich dünne. aber der reihe nach:

wenn ein berühmter mann nach magdeburg kommt, dann folgt auch das volk und schaut ihm aufs maul. das war schon bei eulenspiegel so, der deshalb gleich mehrere male in unserer schönen stadt aufschlug - vielleicht tat er's auch nur, weil er hier schnell geld verdienen konnte und er seine landsleute (auch eulenspiegel war ostfale) eben gern auf die schippe nahm.
gestern zog man ins kulturhistorische museum um, weil der ansturm für die kleine stadtbibiothek einfach zu groß war. pünktlich mit dem akademischen viertel (cum tempore), kam er dann auch, unser christopher. eine frau doktor stellte magdeburg vor. spätestens zu dem zeitpunkt, als sie maaagdeburg sagte, wußte ich, die ist hier noch nicht angekommen. sie sprach im magdeburger saal des museums und fragte die anwesenden, was wohl die militärs der preußischen garnisionsstadt gedacht haben würden, als sie das eingeweihte wandgemälde, das den aus der schlacht siegreich heimkehrenden otto zeigt, vorgestellt bekamen? klar, wir wissen es, wir sind noch heute die größten der welt. was denkt ein militär wohl, wenn er siegreich aus der schlacht heimkehrt?
cc erzählte vieles aus seinem buch (besprechung hier), was ich jetzt nicht wiedergeben möchte, nur dreierlei, ich muß schließlich erzählen, warum ich rot anlief:
1. er meinte, er sei kein revisionist, ABER man müsse doch die historie immer wieder revidieren (neu ansehen), das sei schließlich historikerpflicht;
2. als der krieg erklärt worden war, knallten im bärliner generalstab die sektkorken und
3. die außenpolitik des kaiserreichs sei nicht das gewesen, was man erfolgreich nennen könnte.

so sympathisch der mann auch war und in so vielem ich ihm auch recht gebe, aber das hier geht ja gar nicht.
1. geschichte ist v.a. bewertung, das stimmt schon, aber man kann sich hier nicht herausreden und keinem oder allen schuld an etwas geben. das ist beliebigkeit, hascherei. abgesehen davon ist es der großmut der sieger, am ende dann doch zu sagen: also gut, wir haben auch schuld.
2. in jedem generalstab der welt (der sich nur eine kleine siegeschance ausrechnet)  knallen bei kriegsbeginn die korken, denn das bringt die generale in die öffentlichkeit und damit in die chance, sich auszuzeichnen. ebenso wie in bärlin knallten sie in paris, london, moskau und washington. krieg ist das geschäft der armeen. die (deutsche) begeisterung zu beginn des krieges resultierte aus dem moralischen gefühl, einen gerechten krieg zu führen, einen abwehrkrieg. cc hatte das schön in seinem buch erklärt, daß es zwar paradox wirke, daß es ein verteidigungskrieg sein soll, wenn der angreifer diesen für sich in anspruch nimmt, aber im falle des reiches kann man davon sprechen, denn es blieb ihm nichts weiter übrig, als diesen ersten schlag zu führen, während die entente der angreifer war.
3. die außenpolitik des reiches sicherte den frieden in europa über vierzig jahre. während frankreich, britannien, italien und rußland unablässig irgendwo in europa und außerhalb kriege initiierten oder selbst führten, gab es nur zwei kriegerische aktivitäten des reiches zwischen 1870 und 1914: einmal eine strafexpedition gegen die herero, die, mit englischen gewehren ausgerüstet, deutsche farmer in südwest abgeschlachtet hatten und zum zweiten das deutsche kontingent der internationalen brigade zur bekämpfung des boxeraufstandes, das aber zu spät dort eintraf, um noch in kämpfe verwickelt werden zu können.

nun ja, es war trotzdem schön, daß er da war. sein buch bleibt gut, auch wenn er sich jetzt beim herumlaufen zu sehr anbiedert. ich hätte es lieber gehabt, er hätte die gedanken zu ende gebracht und sich nicht damit herausgeredet, daß jeder selbst seine schlüsse ziehen soll. das ist mir zu wenig.
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Re: Unser Literatur-Ordner

13.12.2014, 14:58

Botho Strauß hatte Geburtstag. Der "Hermes" gratuliert auf seine Weise.


 
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Re: Unser Literatur-Ordner

12.02.2015, 10:29

Der 108. "Hermes" befaßt sich mit dem Kern des PEGIDA/MAGIDA-Protests.


 
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Bismarck zum 200. Geburtstag

02.04.2015, 10:41

Gestern hatte der berühmte Ostfale Bismarck seinen 200. Geburtstag. Sein Abgang 1890 und die Folgen hier
Zuletzt geändert von Aerolith am 24.08.2017, 20:52, insgesamt 2-mal geändert.


 
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Re: Unser Literatur-Ordner

16.06.2015, 12:02

Passend zur Sommerpause: Schlechte Gedichte für den lauen Grillabend  :mrgreen:
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Re: Unser Literatur-Ordner

02.08.2015, 10:32

Die Freiheit des Wortes steht wieder mal auf dem Prüfstand. Ist das geschriebene Wort frei oder unterliegt es der Staatsräson? Bei Interesse hier mitdiskutieren.


 
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Re: Unser Literatur-Ordner

24.09.2015, 20:02

Aus Text wird manchmal Musik. Ein Lied, ein politisches, ein garstig Lied. (für diese Zeitung habe ich mal als Student geschrieben.... lang lang ist's her)


 
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Re: Unser Literatur-Ordner

14.10.2015, 11:14

Ehrenrettung von Agnes Miegel hier
Zuletzt geändert von Aerolith am 24.08.2017, 20:59, insgesamt 1-mal geändert.


 
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Re: Unser Literatur-Ordner

14.10.2015, 11:35

Aerolith hat geschrieben:
Ehrenrettung von Agnes Miegel hier

Das sie seit 1933 in der NS-Frauenschaft aktiv war verschweigst genauso wie die Tatsache, dass sie sehr wohl Nazi-Anhängerin war. Oder das sie als systemtreue Schriftstellerin in den Senat der preußischen Akademie der Künste berufen wurde und dort im Vorstand saß. Das kannst du auch bei Manfred Overesch (Das Dritte Reich 1933 - 1939, Eine Tageschronik der Politik, Wirtschaft, Kultur) nachlesen.

Wikipedia




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Re: Unser Literatur-Ordner

14.10.2015, 12:42

Ich verschweige gar nichts, denn ich erhebe keineswegs den Anspruch, Agnes Miegel vollständig erfaßt zu haben. Ich erhebe lediglich den Anspruch, Agnes Miegel eine Dichterin von Format zu nennen. Und genau dieses Format wird ihr abgesprochen, gerade eben auch von Dir, weil sie in einem Nazigremium arbeitete. Das hat doch nichts mit ihren Fähigkeiten als Dichter zu tun. Das würde ja im Umkehrschluß bedeuten, daß nur der ein guter Dichter sein kann, der die korrekte politische Einstellung besitzt. Eine solche primitive Weltsicht lehne ich ab. Du magst Agnes Miegel nicht mögen wollen, das ist Dir überlassen, sie aber als Nazischriftstellerin zu bezeichnen, ist falsch. Im Gegensatz zu Dir, nehme ich an, habe ich mich mit ihrem literarischen Werk beschäftigt. Wenn Du mir Textstellen beibringen kannst, in denen sie der nationalsozialistischen Ideologie gemäß schreibt, revidiere ich mein Urteil über sie. Im vorliegenden Buch habe ich allerdings nichts gefunden. Daß sie ein paar Lobeshymnen auf Hitler schrieb, bestreitet keiner. Das ist eine persönliche Lobhudelei, die ich ablehne, nicht nur für Hitler, sondern prinzipiell. Aber die umfassen einen Bruchteil ihres Werkes. In dem von mir besprochenen Buch von 1936 findet sich nichts, was auf nationalsozialistische Ideologie gemünzt werden kann, es sei denn, man subsumiert Heimatliebe und Naturverbundenheit darunter, die bei den Nazis hoch im Kurs standen. Das trifft aber auch auf die Romantik, den sozialitischen Realismus, den Naturalismus, den Impressionismus und sogar auf etliche Dichter zu, die überhaupt keinem -ismus zuzurechnen sind, sondern schlichtweg aus ihrem Gemüt schreiben.
Abgesehen davon gibt es zig sehr gute Autoren, die in der Nazizeit in irgendwelchen Gremien arbeiteten, genau wie es zig gute Autoren gibt, die in kommunistischen Gremien arbeiteten und dennoch sehr gute Autoren sind. Einem Dichter sind politische Umstände ziemlich abhold, nur für Schriftsteller sind sie wichtig, denn die benötigen das politische Kolorit, um schreiben zu können. Agnes Miegel wäre auch bedeutsam, wenn es die Nazizeit nicht gegeben hätte, denn der Großteil ihres Werkes steht jenseits politischer Bewertbarkeit, formuliert Ewiges. Deshalb ist sie auch eine Dichterin und keine Schriftstellerin, weil sie das Ewige einfängt. Würde sie heute leben, würde man sie landauf, landab feiern.
Mir hat ihr autobiographisches Buch gefallen. Ich halte es nicht für herausragend, aber für ziemlich gut. Ich werde mir auch ihr lyrisches Werk anschauen. Später. So gut war sie auch nicht, daß ich jetzt gleich das nächste Buch von ihr lesen muß.

Nachsatz: Ich verteidige Agnes Miegel aus prinzipieller Haltung. Sollten sich die politischen Rahmenbedingungen ändern und plötzlich weibliches Schreiben grundsätzlich von den neuen Machthabern abgelehnt werden oder Dichter wie Anna Seghers, Christa Wolf oder Else Lasker-Schüler aufgrund ihrer Nähe zu den Kommunisten oder aus rassischen Gründen abgelehnt und diffamiert werden, würde ich mich auch für diese Autoren einsetzen.


 
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Re: Unser Literatur-Ordner

16.10.2015, 08:49

Aerolith hat geschrieben:
... Wenn Du mir Textstellen beibringen kannst, in denen sie der nationalsozialistischen Ideologie gemäß schreibt, revidiere ich mein Urteil über sie.

Agnes Miegel (28.05.1933) hat geschrieben:
... Ich wende mich täglich mehr
dieser neuen Zeit zu. Sie ist für
Deutschland, am allermeisten aber für uns
im Ostland nicht nur der neue Weg –
sondern der einzige Weg, unendlich hart
und mühselig in seinen Anforderungen für jeden ...

Agnes Miegel (Memelland/Über der Weichsel drüben) hat geschrieben:
... Nach Ostland wollen wir reiten,
nach Ostland wollen wir gehen! ...

Agnes Miegel (Mutterherz) hat geschrieben:
Als in Höhle und Dickicht Dein Erstgeborenes lag
Da, o Mutter, begann Deiner milden Herrschaft Tag!
Solange sich Erde begrünt, wird Dein Reich bestehn!
Krone wirst Du tragen, wenn alle Kronen vergehn!
Über Nacht und Gericht, noch aus dem Weltenbrand,
Streckst Du tröstend und rettend die heilende Hand,
Leben noch tragend im Tod, schirmend noch im Vergehn -
Wirst Du über uns, ewiges Sternbild stehn!

Zur Interpretation dieser Zeilen hilft die Kenntnis über die von Agnes Miegel verwendete Symbolik. 'Ewiges Sternbild' -> Deutsche Nation, 'Mutter' -> Deutschland
Agnes Miegel (An Deutschlands Jugend) hat geschrieben:
Wir stehen, wir Deutsche,
Volk das zu Volk fand, folgend dem Ruf des Führers,
Stehen zum erstenmal, nicht Gatten und Brüder
Nur allein, wir stehen, Frauen und Kinder,
Auf uns zu nehmen wie sie die Schrecken des Krieges:
Feuer und Nacht und Not und grausames Sterben,
Wie es das Schicksal bestimmt.

Natürlich verwendete Agnes Miegel nicht die platte, stumpfe Ausdrucksweise ihrer Zeitgenossen und dennoch glaube ich, ihre Übereinstimmung mit dem Regime zu erkennen. Bewusst habe ich auf die sogenannten Auftragswerke verzichtet. Insbesondere "An Deutschlands Jugend" mit der zeitgemäßen Attitüde bzgl. des Schicksalsbegriffes kann in meinen Augen als Bejahung zur totalen Hingabe, zum totalen Gehorsam, ja zum "totalen Krieg" verstanden werden.


Mein erstes Spiel? Unbekannt! Mein erstes Spiel ohne erwachsene Begleitung 4. Juni 1983 (4:0 im Stadion der Weltjugend). Ich war elf ...
 
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Re: Unser Literatur-Ordner

16.10.2015, 12:15

Ich glaub es nicht. Die von Dir angegebenen Textstellen ließen sich mirnichts, dirnichts in andere Zeiten übertragen. Ich fragte nach NATIONALSOZIALISTISCHEN, RASSISTISCHEN Belegen, nicht nach Führerkult, Kriegsbegeisterung oder ähnlichem. Führerkult war um 1920/30 weit ausgeprägt und keineswegs nur auf die Nazis zu münzen. Ich erinnre an Max Webers entsprechende Schriften, an Carl Schmitt, an Schriften aus Frankreich von links bis rechts. Führerkult ist nichts, was Agnes Miegel zur rassistischen Nazischranze macht.
Nach Ostland reiten... Nun ja. Die Alliierten hatten Ostpreußen vom Reich abgetrennt. Die Ostpreußin Miegel sehnte sich nach Wiederanschluß ans Reichsgebiet. Daran ist nichts typisch Nationalsozialistisches.
Was ist am Mutterherz-Text nationalsozialistisch? Klär mich mal auf! Der Text könnte auch in einem Bachofen-Almanach aus dem Jahre 1855 stehen. Der könnte sogar in einem matriarchalischen Buch von 5000 v.-Chr. stehen. Weltenbrand ist ein christlich-konnotierter Begriff. Deutschlands Jugend... Demutshaltung ist das und kein Aufruf dazu, andere Völker aufgrund eigener Überlegenheit zu unterdrücken. Das WÄRE nationalsozialistisch, wenn sie das gemacht hätte. Hat sie aber nicht.

Such einen Text, in dem sie direkt AUFGRUND rassischen Überlegenheitsdünkels zum Mord an minderwertigem Leben, Völkern, Rassen aufruft! Du wirst keinen finden, denn Miegels Welt ist nicht von der Nazi-Ideologie durchwoben, wie es ihr unterstellt wird. Das würde sie als Nazischranze überführen, nicht aber der kriegerische Aufruf zur WIEDERGEWINNUNG verlorenen Landes (nach Osten laßt uns reiten - ich sehe das eher in John Wayne-Manier als Aufruf dazu, in die Schlacht zu ziehen, um Verlorenes wiederzugewinnen), nicht die Aufforderung, den Krieg als Schicksal zu begreifen oder die Lubhudelei und der Glaube, daß Hitler derjenige sei, der den Weltenbrand zugunsten des eigenen Volkes entscheiden könne. Einzig das letzte ist mir einen halben Punkt bei der Beweisführung wert. Aber das wußten wir vorher, daß Miegel eine Hitlermacke hatte. Das wundert auch nicht, denn viele sahen in Hitler den ersehnten Führer, der sie aus eigener Not herausführen würde. Das macht sie aber nicht zu einer rassistischen Schriftstellerin, die zur Unterdrückung, zum Mord und zu Versklavung minderwertig bestimmten Lebens und minderbewerteter Völker aufruft.

Das muß man unterscheiden. Ich gebe zu, daß Deine Textausschnitte keineswegs GEGEN nationalsozialistische Ideologeme verstoßen, aber wir suchen hier Alleinstellungsmerkmale des Nationalsozialismus in Miegels Texten und da das UNHUMANE, das MENSCHENVERACHTENDE, das DOGMATISCHE. Heimatliebe, Kriegsbegeisterung (zur Erringung des Verlorenen) oder Aufrufe zum Ausharren sind KEINE Alleinstellungsmerkmale des Nationalsozialismus, sondern treffen auf viele Lesarten des Lebens aus beinahe allen historischen Epochen zu. Das Typische des Nationalsozialismus ist sein Rassendünkel, ist sein auf diesem aufbauender Überlegenheitsdünkel, der jedes Mittel rechtfertigen soll, um die Macht herzustellen. Das ist das Thema, das ist der Vorwurf an Miegel, daß sie das gemacht haben soll. Und das suchen wir in ihrem Werk. Wenn wir es finden, ist der Vorwurf, sie sei eine Nazischranze, gerechtfertigt. Finden wir es nicht, muß der Vorwurf revidiert werden.

Stichwort "totale Bejahung". Nun ja, die wird heute auch verlangt, sogar im Berufsleben soll man sich zu 100% mit Anweisungen von Vorgesetzten einverstanden erklären, sich im Kollektiv bewähren, für die Gruppe, die Gemeinschaft, die Firma, als ob das ein Schicksal sei, man soll alles geben und sich nicht vom Weg abbringen lassen - wie die Firmenleitung es will. Und wehe, einer hat eine andere Meinung: dann sollte er schnell seine Partei verlassen und sein Parteibuch abgeben, andernfalls schadet seine persönliche Sicht dem Ansehen der Partei. Oder der Entwicklung der Firma. Oder der Außendarstellung einer Behörde, eines Amtes, eines Vereins...
Nazis?


 
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Re: Unser Literatur-Ordner

16.10.2015, 12:35

Aerolith hat geschrieben:

....

Das WÄRE nationalsozialistisch, wenn sie das gemacht hätte. Hat sie aber nicht.

.....


Da sich die Miegel selbst als Nationalsozialist bezeichnet hat, kannst du ihr doch nicht widersprechen! Oder ist das Zitat doch nur aus dem Zusammenhang gerissen? :shock:

"Denn ich bin Nationalsozialist."




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Re: Unser Literatur-Ordner

16.10.2015, 16:16

Anders als in epischen Werken nutzt die Lyrik aus Gründen von Prägnanz und Kraft häufiger rhetorische Mittel wie Reime, Metaphern und auch rhetorische Figuren. Im Ergebnis will, kann und muss Lyrik interpretiert werden.
Um bspw. den Sinn eines Gedichts zu verstehen, muss das Gedicht im Kontext von Person, Zeitgeschehen, Haltung etc. gesehen werden.
Eine Lyrikerin, welche sich in Ihren Briefwechseln, Zeitungsartikeln zum NS bekennt, eine von Dir attestierte "Hitler-Macke" hat, ein gesellschaftlicher Zeitenwandel - all das bietet den Kontext der Werke von Agnes Miegel. Warum sollen genannte Zitate anders (als von mir getan) interpretiert werden? Warum soll in diesem Kontext die wiederkehrende Metapher des "weißen Mannes" nicht als Rassismus interpretiert werden. Warum sollte ich eine harmlosere Sicht walten lassen, wo sich Agnes Miegel doch klar positioniert hat?
Warum?

Aerolith hat geschrieben:
Stichwort "totale Bejahung". Nun ja, die wird heute auch verlangt, sogar im Berufsleben soll man sich zu 100% mit Anweisungen von Vorgesetzten einverstanden erklären, sich im Kollektiv bewähren, für die Gruppe, die Gemeinschaft, die Firma, als ob das ein Schicksal sei, man soll alles geben und sich nicht vom Weg abbringen lassen - wie die Firmenleitung es will. Und wehe, einer hat eine andere Meinung: dann sollte er schnell seine Partei verlassen und sein Parteibuch abgeben, andernfalls schadet seine persönliche Sicht dem Ansehen der Partei. Oder der Entwicklung der Firma. Oder der Außendarstellung einer Behörde, eines Amtes, eines Vereins...
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Stimmt, wird gerne verlangt. Ich erbringe diesen (bequemen) Gehorsam auch im Job nicht, gelte als schwierig. Deshalb hat mich aber niemand entlassen, enteignet, eingesperrt, geschlagen, getötet ...
Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich.


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Re: Unser Literatur-Ordner

16.10.2015, 16:22

Aerolith hat geschrieben:
Ich fragte nach NATIONALSOZIALISTISCHEN, RASSISTISCHEN Belegen

A.M.: " Wir werden ein nationalsozialistischer Staat sein – oder wir werden nicht sein! Und das wäre der Untergang nicht nur Deutschlands – es wäre der Untergang des weißen Mannes.“


In der Erzählung "Das Lösegeld" begründet sie -
Zitat:"die NS-Vererbungs- und Rassenideologie, da sowohl Figuren, die eine Zeitlang einer anderen als niedrigerstehend empfundenen Kultur (hier den Tataren) ausgesetzt war, als auch ihre Kinder Veränderungen hinsichtlich ihres Verhaltens und Aussehens aufweisen, die von Miegel mit negativen Konnotationen verbunden wurden."
(Eva-Maria Gehler: Weibliche NS-Affinitäten. Grade der Systemaffinität von Schriftstellerinnen im »Dritten Reich«. Königshausen & Neumann, Würzburg 2010, S. 136 f.)


 
Aerolith
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Re: Unser Literatur-Ordner

16.10.2015, 17:33

Sie konnte ja schlecht behaupten, sie sei Mick Jagger oder ein Sioux. Ist das was anderes?

Wenn ich Deinen Vorwurf richtig verstehe, Du schweigst Dich ja darüber aus, dann meinst Du, daß jemand, der sich als Nationalsozialisten bezeichnet, keine gute Literatur schreiben kann? Ist das der Vorwurf an Agnes Miegel? Daß also alles, was sie schrieb, nur durch die Brille menschenverachtenden Rassismus gelesen werden kann, ergo nichts wert sein kann? Etwa so, als wenn ein Maler, Schauspieler, Architekt, Fleischer, Fußballspieler, Politiker, Hausfrau oder Philosoph, der das von sich auch sagen würde, schlichtweg nicht respektiert werden dürfte, weil er eben in einer Selbstbekundung sich "Nationalsozialist" nannte? Verstehe ich das richtig? Ist es also egal, was sie schrieb, weil sie ja irgendwann mal den Nationalsozialismus als Weltanschauung für sich entdeckt hatte [und stur dabei blieb, wie das Ostpreußen nun mal gerne mach(t)en: sie bleiben stur bei einmal getroffenen Entscheidungen]. Mit anderen Worten: Wir müssen nicht länger im Wortwerk Miegels suchen, weil ALLES, was sie schrieb, nur unter dem Gesichtspunkt ihrer weltanschaulichen Grundentscheidung BEWERTET werden muß. Wenn die Frau von Rosen schreibt, ist das unter dem Blickwinkel rassistischer Weltwahrnehmung genauso zu interpretieren wie eine Bemerkung über das Brandenburger Tor?

Ist das die These, die Du hier vertrittst?

Daß Dichter immer AUCH im Kontext ihrer Zeit gelesen werden müssen, ist richtig. Es geht hier aber um die Totalität der Bewertung. Jeder gute Dichter schreibt auch zeitlos, nicht nur, aber er setzt ewig-menschliche Berührungspunkte, so daß es uns Menschen aus dem Jahre 2015 möglich ist, einen Text wie das beinahe 5000 Jahre alte Gilgamesch-Epos zu verstehen - wenigstens in Teilen, was bedeutet, wir verstehen die menschlichen Beweggründe für das Handeln der Protagonisten.

Ich bin kein Fan Miegels, aber ich erkenne in ihrem Schreiben zuerst einmal die Dichterin und keineswegs die durch Tagespolitik, Ideologie oder Parteilichkeit gesteuerte Ideologin, als die sie mir hier verkauft werden soll. Daß sie in ihrer Zeit stand und mit ihrer Hitlermacke gehörig nervt, ändert für mich nichts an der zuweilen auftretenden Großartigkeit ihrer dichterischen Leistungsfähigkeit, wozu ich die Lobeshymnen an Hitler nicht zähle, was aber nichts mit Hitler zu tun hat, sondern mit meiner Abneigung gegen Elogen. Zwei Dinge fehlen bei ihr, um sie zur Nazischranze zu machen: Es gibt keine rassistische Konnotation, auch die Verwendung des "weißen Mannes" ist keineswegs rassistisch, sondern folgt schlichtweg dato üblichen Bildern, wie sie auch zahlreiche Nichtnazis ihrer Zeit verwendeten: Seit kurzem wird der Abgesang auf den weißen Mann gepflegt. Allerdings benutzt auch die ZEIT das Bild Miegels, eben den des (meist) protestantischen Erfinders, Entdeckers, Wegbereiters. Ist die ZEIT rassistisch?
Ich lasse mich gern von einem Textausschnitt eines Besseren belehren. Ich fand jetzt keinen Text von ihr, in dem sie den "weißen Mann" rassistisch benutzte, nur einen Brief, in dem sie dieses Bild benutzte, natürlich in einem Endzeitszenarium, wie sie es oft machte, etwa in der Art: Wenn Deutschland zugrunde geht, ist das nicht nur das Ende Deutschlands, sondern auch das des weißen Mannes.
Das ist kein Rassismus, sondern schlichtweg prophetisches Gelaber, eine Dystopie. Dachte sie an die Russen? Sind die nicht weiß? Nein, sie sind es für Miegel nicht, sondern asiatische Hordentiere. Sie hatte die Russen 1914 bereits erlebt, als deren Eindringen in Ostpreußen verschleppte, getötete und vergewaltigte Ostpreußen zu Hauf zur Folge hatte, bevor Hindenburg sie wieder aus Ostpreußen verjagte. Tannenberg. Rassismus? Also: die Briten nennen uns "Hunnen". Sind die auch Rassisten? Alle? [ externes Bild ]

Wir wollen die Texte Miegels prüfen, nicht Interpretationen der Texte. Das von Stefanie genannte Zitat belegt nur eines, daß Miegel nämlich glaubt, daß ein verlorener Krieg der Untergang Deutschlands sei, was ja auf der Hand liegt. Angesichts der Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg assoziiert sie auch, daß dies zu einer erneuten Schwächung Europas führen muß, also des gesamten weißen Mannes: rasse- und kriegsparteiübergreifend. Es gibt nämlich sehr viele weiße Rassen, nicht nur eine. Das ist also kein Rassismus, sondern schlichtweg eine prophetische Feststellung für einen Menschentypus. Für Miegel ist der "weiße Mann" der, ähnlich in der ZEIT beschriebene, Forschertyp, der den Fortschritt in der Welt brachte. Man darf hier auch nicht vergessen, daß die Niederlage des Reiches im Ersten Weltkrieg keineswegs zu einer besseren politischen Lage in Europa geführt hatte. Zahlreiche bloodlands in Südost- und Mitteleuropa und eine desolate Wirtschafts- und Finanzpolitik von London bis Warschau zeigten deutlich, daß nicht die richtige Seite den Krieg gewonnen hatte. Meine Meinung. Ich denke, Miegel sah das ähnlich und befürchtete, daß der Krieg, in dem Deutschland 1939/40 steckte, die Gefahr der völligen Vernichtung nicht nur Deutschlands mit sich bringen würde, wenn Deutschland diesen Krieg verlieren würde. (Sie hätte sich ja mal fragen können, ob es zu diesem Krieg hätte kommen müssen. Tat sie aber nicht, weil das nicht ihre Brille ist, die sie aufhatte. Ein Dichter sieht die Welt mit anderen Augen als ein Historiker wie meinereiner.) Miegels Text läßt diese Interpretation zu, wenigstens genauso wie die Interpretation, die Stefanie anführt. Ich hätte gern die Textstelle, in der Miegel andere Völker als minderwertig beschreibt.
Heute würde man das so ausdrücken: "Ein Dritter Weltkrieg würde das Ende der zivilisierten Menschheit bedeuten." Gemeint wäre etwas Ähnliches wie bei Miegel.
Daß Miegel in ihrer Prophetie irrte, ist unser Glück. Weder Deutschland noch der "weiße Mann" sind untergegangen, auch wenn uns die ZEIT oder PEGIDA etwas anderes erklären und den Untergang des Abendlandes behaupten.

Der Vergleich mit der 100%igen Bejahungsnotwendigkeit hinkt keineswegs. Bei den Nazis war nicht der Gehorsam entscheidend, ob man Teil des Ganzen war, sondern die Rassenzugehörigkeit. Ein Jude konnte gehorsam sein, wie er wollte, es spielte keine Rolle. Er wurde nicht als Teil des Ganzen begriffen und ausgestoßen. Das ist ja das Böse an der Naziideologie, daß die Rassenzugehörigkeit, die weder Wille und noch Fähigkeiten des Menschen verändern können, über seinen Wert GRUNDSÄTZLICH bestimmen soll. Was soll man da (als Jude oder Araber oder Ungar) machen, wenn man zu den Deutschen gehören will?
Du Unbeugsamer! Ich empfehle Dir die Prüfung: Sag etwas Verbotenes und beharre darauf. Berichte von Deinen Erlebnissen!

Ihre Begeisterung für Hitler, die ihr wohl zurecht vorgeworfen werden kann, muß einen sexuellen Hintergrund gehabt haben, auch einen historischen, denn, wie gesagt: Hitler brachte ihr geliebtes Ostpreußen wieder ans Reich. Das erhöhte ihn in Miegels Augen ins Unermeßliche. Deshalb wurde sie 1940 Mitglied der NSDAP und blieb Hitler für dieses Erlebnis, also die körperliche Verbindung der alten Reichsteile, zeitlebens dankbar. Ich versuche das jetzt nachzuvollziehen. Hm... Ich kann es nachvollziehen. Na ja, sie war 61 Jahre alt, als sie in die NSDAP eintrat. Und 1945 ging das alles wieder verloren. Und mehr. Zeitlebens ist also relativ. Aber Deutschland überlebte und lebt heute wie nie zuvor! Siehste, Agnes!


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